»Grüne Logistik sichert Wettbewerbsvorteile«
Von Ralf Bartsch, Vorsitzender der CI-Unternehmensgruppe, Hamminkeln
„Nichts geht ohne Logistik. Doch wenn nichts geht, geht in der Logistik immer noch was.“ So lässt sich die aktuelle Stimmungslage der Logistikbranche zusammenfassen. Natürlich: Die Wirtschaftskrise hat die Logistik-Dienstleister und besonders die Spediteure voll erwischt. Doch eine Krise wiegt doppelt schwer, wenn sie nicht zur Vorbereitung auf die Zukunft genutzt wird. Darum sind Zeiten des Abschwungs für Verlader und Logistiker immer auch Zeiten, um liegen gebliebene Hausaufgaben zu machen. Nach dem Boom der vergangenen Jahre mit voller Kapazitätsauslastungen müssen nun Prozesse nachjustiert werden.
In diesem Zusammenhang rückt der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wieder verstärkt ins Rampenlicht. Erinnern wir uns: Mitte der neunziger Jahre wurden Begriffe wie Öko-Logistik und Grüne Logistik sowohl in den Medien als auch in der Forschung stark vertreten. Mit Beginn des neuen Jahrtausends allerdings flachte diese erste Welle deutlich ab, bis die Auswirkungen des Klimawandels und die damit verknüpften Diskussionen und Aktivitäten auf politischer Ebene einen Teil der Beteiligten wieder wachrüttelte.
Seit über einem Jahr belasten nun hohe Treibstoffpreise, die Maut sowie stark rückläufige Transportvolumina die Branche. Die Folge: Auch bei den kleineren Logistik-Unternehmen wirkt sich der Kostendruck nun als Katalysator in puncto Nachhaltigkeit aus. Die Gleichung lautet: Die Logistik muss effizienter und demzufolge auch intelligenter werden. Aus dieser Entwicklung resultiert zwangsläufig eine höhere Umweltverträglichkeit.
Ohnehin ist der Themenkomplex Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz in den Köpfen der Entscheider heute wieder fest verankert. Einer Studie der Technischen Universitäten Berlin und Dortmund zufolge nennen 1.200 Unternehmen aus den USA, China und Europa Umwelt- und Ressourcenschutz als einen der zentralen Einflussfaktoren auf die moderne Logistik. In jedem vierten Handelsunternehmen und fast bei jedem dritten Dienstleister schmieden Logistiker Pläne für eine Öko-Logistik. Die Maßnahmen reichen bis zum Carbon Footprint Check: Der soll sämtliche CO2-Emissionen auf Produktions- und Prozessebene transparent machen, damit Verbraucher in Zukunft Klima schonend einkaufen können. Auch Konzepte wie das Design for Logistics, bei dem bereits Produktplaner auf schlanke, Ressourcen schonende Logistikprozesse achten, sind in den verladenden Unternehmen angekommen.
Andererseits suchen auch Spediteure nach neuen Ansätzen, wie Ressourcen besser zu nutzen sind. Ein Beispiel: Das Netto-Ladevolumen von Lkw auf der Straße beträgt im Durchschnitt nur zehn bis 20 Prozent, weil durch Verpackungen viel Luft transportiert wird oder Paletten nicht ökonomisch übereinander gestapelt werden. Auch in der Intralogistik sind grüne Lösungen gefragter denn je. Hier heißt es zum Beispiel: Anlagen abschalten, wenn ihre Leistungen nicht benötigt werden. Und Stapler haben stets den kürzesten Weg zwischen Start und Ziel zu fahren.
Allerdings: Umweltgerecht allein recht nicht! Schließlich müssen auch die Investitionen in den Umweltschutz erst verdient werden! Aus diesem Grund wirken umweltgerechte Transport- und Logistikprozesse nur dann als Wettbewerbsfaktor, wenn sie zugleich kosteneffizient sind und durch hohe Leistungsqualität überzeugen.
Eben weil sich Ökologie und Ökonomie von Natur aus nicht gegenseitig ausschließen, sondern ganz im Gegenteil sich in vielen Anwendungsfällen komplementär verhalten, ergänzt das Merkmal umweltgerecht heute die klassischen Wettbewerbsfaktoren Kosten, Qualität und Zeit.
Dauerhafte Wettbewerbsvorteile in der Logistikbranche werden sich künftig nur die Unternehmen sichern, die mit innovativen Transportlösungen für ihre Kunden gleichzeitig Kosten-, Qualitäts-, Zeit- und Umweltvorteile generieren. Nicht zuletzt muss diese integrative Perspektive von Seiten der Verkehrspolitik gefördert werden. Indem sie durchdachte Zielvorgaben setzt, dann aber die Ingenieure und Logistiker in Ruhe verschiedene Lösungen entwickeln lässt. Permanente Verschärfungen der Umweltverordnungen und übermäßige Regulierungen sind von vornherein unwirksam. Vielmehr sollte die Umweltgesetzgebung einfach und überschaubar sein.
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